Vor rund 2 Jahren habe ich mich entschlossen, aus dem im Garten wachsenden Bambus ein Fahrrad zu bauen.
Nach meinen ersten Bestellungen wurde das Projekt sogar zu einer Art Challenge, nachdem mein Vater anzweifelte, dass „der Scheiß sowieso nichts wird“. Dadurch wurde ich in meiner angehenden Ingenieursehre gekränkt und zusätzlich angestachelt, dieses Projekt in Perfektion umzusetzen. Nicht zuletzt um allen Zweiflern zu beweisen, dass nicht nur meine Idee umsetzbar ist, sondern der Bambus auch über genug Festigkeit verfügt. – Nun habe ich das Bike seit mehr als 2 Jahren in Gebrauch.
Da ich im Begriff war, von zu Hause auszuziehen und von einer ländlichen Gegend in eine urbane Umgebung zu wechseln, ergab es Sinn, mein altes Mountainbike, welches sowieso zu klein war, als Teilespender zu opfern. – Im Endeffekt habe ich davon lediglich die Felgen und das Ritzel abgenommen.
Im Folgenden werde ich eine Bilderstrecke mit kurzen Kommentaren publizieren:
Hier sieht man das Ausgangsmaterial
Am Anfang war der Rahmen. Ich habe mir einen 0815-Rahmen in den eBay-Kleinanzeigen gesucht, um zum einen eine Rahmenlehre aus Holz herzustellen zu können, zum anderen, um wichtige Bauteile wie die Sattelaufnahme, die Nabenaufnahmen und das Lenkkopflager nutzen zu können.
Rückblickend hätte ich zum einen einen minimal größeren Rahmen aussuchen sollen, und vor allem einen Markenrahmen, denn ich hatte später einige Probleme beim bestimmen der Gewindearten und -größen. (Im Radsport gibt es kaum Metrische Gewinde, sondern „Italienische“, „Französische“ oder andere Exoten) Eine Liste der gängigsten Gewindearten gibt es hier.
Die abgetrennten Streben werden ersetzt und mit einem Harz/Kohleschnipsel-Gemisch angeklebt.
Das Gemisch:
Das Harzsystem:

Um zu verstehen, wie ich Beim Laminieren vorgegangen bin habe ich für euch diese Skizze erstellt:

Dieses Bild zeigt den Rahmen nach mehreren Laminiervorgängen. Aufgrund der geringen Topfzeit des Zwei-Komponenten-Harzes und dem Umstand, dass die Handschuhe bei solchen Arbeiten voller Harz sind, ist es mir nicht möglich gewesen, diese Schritte näher zu dokumentieren. Im Vordergrund sieht man meine selbstgebaute Harz-Tränk-Maschine.

Vielleicht interessiert die Harztränkmaschine den ein oder anderen, weswegen ich mich entschlossen habe, ein weiteres Foto von ihr zu veröffentlichen, um die Funktionsweise besser erahnen zu lassen:
Es geht dabei um das richtige Verhältnis von Matrix (Harz) zu Faser. Beim Nasslaminieren ist ein Verhältnis von 50:50 in Ordnung. Ein höherer Fasergehalt ist zwar erstrebenswert, kann aber auch schnell zu Delamination führen, wenn die Fasern untereinander nicht gut benetzt sind, da auch kein Druck von Außen auf den Aufbau wirkt. (im Gegensatz zum Laminieren unter Vakuum, siehe Wakeboard)
Der Roving wird durch das Harz gezogen (das in der Dose gelagert wird) und wird durch den Abstreifer gezogen (Transparente Lappen). Am Ende kommt ein getränkter Roving heraus, den ich nur abzuschneiden und aufzubringen habe.
Bei einem Probedurchlauf hatte ich zwei gleich lange Stücke des Roving, einer mit Harz benetzt, der andere nicht. Ich habe beide Stücke gewogen, um so das Vol.-% auszurechnen und um so den Abstreifer auf ca. 50Vol.-% zu kalibrieren.

Ein paar Nahaufnahmen der einzelnen Komponenten, unlackiert.
Und nach dem ersten Entfernen überschüssiger Fasern:
Hier habe ich die Felgen lackiert. Es handelt sich dabei um alte Mountainbike 26″ Felgen und ich bin froh, dass Tom Ritchey ein Herz für alte MTB Felgen hat, und auch für kleine Felgen Rennradreifen herstellt. Ich verwende hier den „Ritchey Comp Tom Slick MTB-Drahtreifen“, der aufgrund seines schmalen Profils auch zwischen die dicken Bambusstreben passt.

Hier sieht man, dass der herkömmliche Reifen am Bambus gescheuert hätte. Das Bild wurde noch vor dem Laminieren aufgenommen.

Da ich das Rad als „Fixie“ – wegen seiner Einfachheit halber – ausgelegt habe, musste ich natürlich den Freilauf sperren, was ich mit einigen Schweißpunkten umgesetzt habe:

Tretlager
Nach dem Lackieren und dem Zusammenbau, das vorläufige Ergebnis:
Dem geneigten Leser sollte aufgefallen sein, dass sich die Farbe der Gabel von weiß auf schwarz geändert hat. Diese wurde nicht lackiert, sondern hat den Hintergrund, dass ich mir eine Gabel mit einer Aufnahme für die Bremsbacken der Scheibenbremsanlage besorgt habe.
An dieser Stelle möchte ich auf die Verkehrssicherheit von Fahrrädern eingehen:

(http://www.adfc.de/3575_1)
Ich habe bis auf einen weißen Reflektor an der Front des Fahrrads und einer Klingel alle Kriterien erfüllt. (Vermutlich ist das mehr als die meisten Fahrräder auf den Straßen zu bieten haben.) Jedoch möchte ich noch auf den Satz „2 unabhängig voneinander wirkende Bremsen“ näher eingehen.
Fixies verfügen über einen starren Gang ohne Freilauf und es gab bereits ein Urteil, welches man hier nachlesen kann. Dort war
eine Bremse als feste Einrichtung am Fahrzeug [definiert], die zur Verminderung der Geschwindigkeit diene. Demnach sei auch der Starrlauf des Fixies eine Bremse.
Ein starrer Gang, kombiniert mit meiner hydraulischen Scheibenbremsanlage am Vorderrad dürfte laut diesem Urteilsspruch genügen. Leider handelt es sich bei dem Urteilsspruch um keinen Präzedenzfall, weswegen es in Zukunft durchaus vorkommen könnte, deswegen von der Polizei aufgehalten zu werden. Dieses kleine Risiko bin ich aber bereit einzugehen.
Hier sehen wie einen kleinen Rückschlag während der zweiten Tour:

Dadurch, dass Bambus nicht in kompletter Rundheit wächst, gab es ein kleines Spiel zwischen der Lenkeraufnahme und dem Bambuslenker. Dies verursachte eine Sollbruchstelle im Bambus und scherte nach einem gewissen Lastspiel an dieser Stelle ab.
Also hab ich mir einen Kohlefaserlenker gekauft, um den bisherigen Stil des Gefährts zu wahren.

Mittlerweile ist das Fahrrad zu diesem Zeitpunkt fertig. Lediglich der Sattel wurde von mir durch ein Markenprodukt ausgetauscht, da dieser durch UV-Strahlen und anderen Umwelteinflüssen porös wurde.
Dieses Projekt ist hiermit fertig. Ich werde in Zukunft lediglich ein paar Bilder des jetzigen Ist-Zustandes hochladen.